Werbung verführt zu höheren Wetten

Auf mehreren Geldscheinen steht ein Stapel Münzen.

Viele europäische Länder haben in letzter Zeit die Glücksspielwerbung stark eingeschränkt. Teilweise wurde sie während der Corona-Pandemie eingeschränkt, da wesentlich mehr Einwohner Zeit zum Spielen hatten. Einige Länder haben jedoch die Beschränkungen aufrechterhalten, um insbesondere Kinder und Jugendliche zu schützen. Nun hat eine neue Studie bestätigt, dass Werbung für Sportwetten in der Tat zu höheren und mehr Einsätzen führen.

Auf mehreren Geldscheinen steht ein Stapel Münzen.

Erhalten Sportwettenfans mehr Werbung oder folgen sie auf Social-Media einem Buchmacher, so erhöhen sich die Einsätze und es werden mehr Wetten getätigt als geplant. (©stevepb/Pixabay)

Ergebnis der Studie überrascht nicht

Die Studie hat eine längere Zeit in Anspruch genommen, nun ist aber das Ergebnis vorhanden. Dieses Ergebnis deckt sich mit den Bedenken zahlreicher Spielschutzorganisationen. Aber auch viele Regierungen haben bereits das Problem erkannt, das die Studie bestätigt hat: Insbesondere junge Erwachsene lassen sich von Werbung beeinflussen und geben zu, dass sie nach dem Erhalt einer Werbung entweder mehr gewettet haben oder höhere Einsätze getätigt haben. Immerhin geben mehr als 30 Prozent der Befragten zu, dass Werbung bei ihnen das eigene Verhalten beeinflusst hat. Im Endeffekt läuft es so ab, dass Glücksspielwerbung und vor allem Sportwettenwerbung zu mehr Ausgaben führt, die nicht eingeplant waren.
Obwohl es alle Spieler betrifft, leiden insbesondere die Spieler unter der Werbung und den höheren Ausgaben, die bereits an einer Spielsucht leiden. Demzufolge kann ein Werbeverbot tatsächlich Spielsüchtige schützen, indem sie weniger ausgeben. Dieses Ergebnis kam zustande, indem 3.000 Spieler befragt worden sind. Die Studie wurde im Übrigen von der Universität Glasgow und Stirling durchgeführt, und zwar unter der Leitung von Dr. Heather Wardle. Ihrer Meinung nach ist die Studie der erste Beweis dafür, dass Glücksspielwerbung definitiv einen Schaden anrichtet.

Nicht nur Direktmarketing richtet Schaden an

Die Studie bezog sich nicht nur auf Direktmarketing, also auf gezielte Werbenachrichten an aktive Spieler. Vielmehr wurde auch untersucht, ob Werbung in sozialen Medien zum gleichen Ergebnis führt. Laut Studie können beide Werbearten die Spieler motivieren, höhere oder gar mehr Wetten zu platzieren. Viele Sportwettenfans gaben an, dass sie aufgrund der Werbung Wetten platziert haben, die sie gar nicht geplant hatten. Hierbei macht es kaum einen Unterschied, ob die Werbung von aktiven Spielern oder von jungen Erwachsenen gesehen wurde. Als junge Erwachsene werden Personen mit einem Alter von bis zu 24 Jahren bezeichnet.
Wer jedoch über soziale Medien eine bestimmte Marke verfolgt hat, wurde ebenfalls zu mehreren Wetten motiviert. Zwar geschieht das Folgen eines Unternehmens freiwillig, trotzdem ist nun für viele klar, dass bereits das Vorhandensein einer Marke im Internet zu höheren Einsätzen führt. Zahlreiche Spielerschutzorganisationen werden sich über das Ergebnis der Studie freuen, da sie nun nachweisbare Argumente in der Hand halten. Bislang handelte es sich immer nur um Vermutungen, dass sich Werbung negativ auf das Spielverhalten auswirkt. Der Studie zufolge wirkt sich die Werbung besonders stark auf Spielsüchtige aus: 87 Prozent aller befragten Spielsüchtigen gaben an, dass sie aufgrund erhaltener Werbung mehr gespielt haben.

Wie wird sich die Studie auswirken?

Inwiefern sich die Studie auf aktuelle Glücksspielgesetze auswirkt, lässt sich nicht sagen. In letzter Zeit wurden die Forderungen von Spielerschutzorganisationen immer lauter, dass Werbung entweder komplett verboten wird oder zumindest stark eingeschränkt wird. Letzte Woche haben wir darüber berichtet, dass sich in Deutschland das Bündnis gegen Sportwettenwerbung an die Öffentlichkeit gewandt hat. Sie gaben in ihrer eigenen Pressemitteilung zu verstehen, dass Werbung schädlich ist. Das liegt nicht nur daran, dass sich viele Spieler animiert fühlen, höhere Einsätze zu tätigen. Glücksspielwerbung ist auch deshalb schädlich, da mit dieser vermittelt wird, dass Glücksspiele legal und nicht schädlich sind.
Das Bündnis gegen Sportwettenwerbung kritisiert insbesondere Sportwettenwerbung. Bei dieser Art von Werbung wird den Wettfans suggeriert, dass sie allein über ihre Fähigkeiten und Kenntnisse in der Lage wären, die richtige Wette zu platzieren. Wäre dies der Fall, könnte jeder Wettfan seinen Gewinn selbst steuern. Nachdem dies aber nicht so ist und niemand den Ausgang eines Spiels hervorsehen kann, wirbt die Sportwettenwerbung mit falschen Hoffnungen. Deshalb regt das Bündnis an, dass Sportwettenwerbung aus dem täglichen Leben verschwindet. Ist das nicht möglich, sollte die Werbung zumindest stark eingeschränkt werden.

Studie könnte Einfluss auf Glücksspielgesetz in Großbritannien nehmen

Die Studie wurde von Großbritannien veranlasst. Dieses Land verspricht bereits seit Jahren, das aktuelle Glücksspielgesetz zu ändern. Geschehen ist dies in den letzten Jahren jedoch nicht. Nach dem Ergebnis der aktuellen Studie wäre es denkbar, dass die Regierung nun doch reagiert und zumindest den Teil über Glücksspielwerbung ändert. Auf eine schnelle Reaktion wird auch deshalb gehofft, da der britischen Datenschutzbehörde eine Anzeige über Datenmissbrauch vorliegt. Diese hängt definitiv ebenfalls mit Werbung zusammen: Sky Bet soll über jeden Spieler ein Profil erstellt haben, das an andere Unternehmen weitergegeben wurde.
So war es möglich, gezielt Spieler mit Werbung anzusprechen. Wer eine individuelle und auf sein Spielverhalten zugeschnittene Werbung erhält, wird ebenfalls zu weiteren Einsätzen und Wetten motiviert. Auch das betrifft Spielsüchtige besonders hart. Um solch ein Verhalten der Glücksspielanbieter in Zukunft zu verhindern, könnte es durchaus neue Werbevorschriften geben. Immerhin stiegen in Großbritannien die Ausgaben für Glücksspielwerbung um 25 Prozent an.

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

Das Ergebnis der Studie bestätigt nur das, was sich die Regierungen vieler Länder bereits gedacht haben und deshalb bereits reagiert haben. In Italien ist es bereits seit Jahren verboten, Glücksspielwerbung zu betreiben. Auch Irland denkt darüber nach, ein generelles Verbot von Sportwetten einzuführen – noch ist es nicht so weit. In den Niederlanden läuft es etwas anders ab, denn in diesem Land dürfen bekannte Sportler keine Werbung für Glücksspiele machen.
Belgien steht ebenfalls kurz vor einem kompletten Glücksspielwerbeverbot. In diesem Land gibt es eine Übergangsfrist, die bis 2025 läuft. Ab diesem Zeitpunkt darf keine Glücksspielwerbung mehr vorgenommen werden. Aber auch Portugal denkt seit längerer Zeit über eine Glücksspielwerbung nach, die nur tagsüber ausgestrahlt wird. Damit sollen Kinder und Jugendliche geschützt werden, da diese eine nächtliche Ausstrahlung der Werbung nicht sehen.

Der Beitrag wurde am 22.8.2022 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern veröffentlicht.

Author: Joshua Morales