Spanien denkt über Lootboxenverbot für Minderjährige nach

Eine typische Landschaft aus dem Videospiel Minecraft.

Lootboxen sind schon seit geraumer Zeit vielen Experten ein Dorn im Auge. Aus diesem Grund haben bereits einige Länder über ein Verbot nachgedacht. In Spanien könnte es bald so weit sein, zumindest wurde nun ein Gesetzesentwurf vorgelegt, über den in Kürze abgestimmt wird. In erster Linie würde ein Verbot von Lootboxen für Minderjährige gelten. Aber auch für Erwachsene soll es neue Vorschriften geben.

Eine typische Landschaft aus dem Videospiel Minecraft.

In vielen Videospielen befinden sich Lootboxen, die nach einer Einzahlung freigeschaltet werden. Deshalb sollen sie in Spanien für Minderjährige verboten werden. (©AdultsOnlyMinecraft/Pixabay)

Bürger dürfen mit entscheiden

Der entwickelte Gesetzesentwurf wurde in Spanien veröffentlicht und alle Bürger dürfen hierzu Stellung nehmen. Der Gesetzesentwurf umfasst 66 Seiten, weshalb er sich sehr detailliert mit dem Problem der Lootboxen beschäftigt. So wird bereits in der Einführung darauf verwiesen, dass die Videospielindustrie einen relevanten Geschäftsbereich darstellt. Zugleich sei dieser Industriezweig dazu in der Lage, das Verhalten der Bevölkerung entscheidend zu beeinflussen. Folglich könnte sich das Verhalten der Bevölkerung negativ ändern.

Diese Begründung stützt sich darauf, dass die Videoindustrie Geschäftsmodelle entwickelt hat, die Glücksspielen ähneln. Die sogenannten Lootboxen werden als zufällige Belohnungssysteme bezeichnet. Das Wort zufällig trifft im Grunde genommen nicht zu, denn die Nutzer von Videospielen müssen für die Lootboxen bezahlen. Erst dann wird ein bestimmter Gegenstand geöffnet, der zum Beispiel einen Schlüssel bereithält. Dieser Schlüssel wird benötigt, um zum nächsten Level zu gelangen. Genau darin wird ein Grund gesehen, Lootboxen zumindest für Minderjährige zu verbieten. Immerhin besteht ein sehr großer Anreiz, immer mehr Geld auszugeben, um zum nächsten Level geraten zu können: Der Grundstein für die Teilnahme an Glücksspielen ist gelegt.

Welche Ideen schlägt das Ministerium für Verbraucherschutz vor?

Um Spieler vor den negativen Folgen der Lootboxen zu schützen, wurden verschiedene Maßnahmen entwickelt. Die meisten dieser sind bereits aus dem Glücksspielsektor bekannt und beziehen sich auf folgende Punkte:

Minderjährige sollen keinen Zugriff zu diesen Glücksspielelementen erhalten.

Die Spieler sollen selbst ein finanzielles Limit festsetzen können.

Jeder Fan von Videospielen soll das Recht erhalten, sich selbst auszuschließen.

Dies waren die wichtigsten Ideen, über die spanische Bürger und Bürgerinnen abstimmen sollen. Fast bis zum Monatsende haben die Einwohner Zeit, ihre Stimme abzugeben. Allerdings zeigt der über 60 Seiten lange Gesetzesentwurf, dass wesentlich mehr Ideen entwickelt wurden.

Zu den weiteren Ideen zählt zum Beispiel, dass Werbung für die betroffenen Spiele nur nachts ausgestrahlt werden darf. Bei den Zeiten gibt der Gesetzesentwurf zwischen ein und fünf Uhr morgens an. Ein generelles Werbeverbot wird jedoch nicht vorgesehen. Das bedeutet, dass für die Spiele weiterhin Werbung in Zeitschriften, im Internet und über das Fernsehen vorgenommen werden darf. Auch Videospielkanäle erhalten kein Werbeverbot. Trotzdem sieht der Entwurf eine Einschränkung im Bereich der Werbung vor: Die Werbung darf nicht zur Nutzung der Lootboxen anregen.

Altersverifizierung gefordert

Um zu verhindern, dass Minderjährige zu den Lootboxen greifen, muss vor dem Videospiel eine Überprüfung des Alters vorgenommen werden. Dies könnte beispielsweise über den Ausweis oder ein biometrisches System erfolgen. Wie exakt die Überprüfung durchgeführt wird, kann später immer noch festgelegt werden. Wichtig ist zuerst, ob die Bevölkerung dem Gesetzesentwurf zustimmt oder nicht.

Sollte der Entwurf zum Gesetz umgewandelt werden, müssen sich alle Anbieter von Videospielen daran halten. Wer dies nicht tut, muss mit einer Geldstrafe rechnen. Diese kann sich zwischen 25.000 und 100.000 Euro bewegen. Hierbei müssen die Anbieter strikt beachten, dass ein eventuelles Verbot nur für Minderjährige gilt. Volljährige dürfen weiterhin Lootboxen nutzen. Trotzdem gilt auch für diese ein Teil der oben erwähnten Vorschriften. Denn in Zukunft sollen auch Volljährige ein finanzielles Limit oder einen Ausschluss von den Lootboxen beantragen können. Alternativ zu diesen beiden Vorschlägen sollen die Spieler ein zeitliches Limit festlegen dürfen. Somit würden für diese Spiele die gleichen Regeln gelten wie für Glücksspiele in Form von Casinospielen und Sportwetten.

Videospiele müssen entsprechend gekennzeichnet werden

Um alle Spieler von Beginn an vor eventuell zu hohen Kosten zu schützen, müssen in Zukunft alle Videospiele entsprechend gekennzeichnet werden. Somit kann jeder selbst entscheiden, ob er diese Spiele kauft oder nicht. Die Kennzeichnungspflicht bezieht sich aber nicht nur darauf, bei jedem Videospiel auf vorhandene Lootboxen hinzuweisen. Sollte es Lootboxen geben, müssen die dadurch entstehenden Kosten ebenfalls erwähnt werden. Ebenso müssen – wie es auch bei Glücksspielen der Fall ist – die Gewinnchancen angegeben werden.

Wird all dies umgesetzt, so stünden Lootboxen mit den Glücksspielen auf einer Ebene. Das ist auch der Wunsch des Ministeriums für Verbraucherschutz. Wie die Erfahrung zeigt, setzen die Spieler gerne einen Betrag ein, um auf das nächste Level zu kommen. Demzufolge liegt der gleiche Reiz wie bei Glücksspielen vor. Damit niemand diesem Reiz unterliegt, muss vor dem Spielen darauf hingewiesen werden. Ansonsten rechnet jeder damit, dass es abgesehen vom Kaufpreis zu keinen weiteren Kosten kommt. Dieser Meinung ist im Übrigen nicht nur die spanische Regierung. Generell wird seit langer Zeit über Lootboxen diskutiert und weitere Länder könnten ebenfalls Vorschriften erlassen.

Die Niederlande denkt ebenfalls über Gesetzesänderung nach

Nicht nur in Spanien könnte es zu einem neuen Gesetz kommen, das zumindest Minderjährigen die Nutzung von Lootboxen verbietet. Die niederländische Regierung denkt ebenfalls über ein Verbot von Lootboxen in Videospielen nach. Allerdings würde dieses Land strenger vorgehen und Lootboxen grundsätzlich verbieten – also auch für Erwachsene. Kommt es so weit, darf kein einziges Videospiel mehr einen zufälligen Kauf anbieten. Derzeit sieht es so aus, als würde die Niederlande das Gesetz verankern können. Immerhin haben sich sechs Parteien für ein generelles Verbot ausgesprochen. Wie die Chancen in Spanien stehen, kann noch niemand abschätzen.

Kommt ein Verbot in ganz Europa?

Bezüglich Lootboxen gab es vor einem Monat bereits eine Meldung, der zufolge 18 europäische Länder eine Aktion gestartet haben. Hintergrund dieser Aktion: Gesetze über Lootboxen erlassen und Hersteller auf die Risiken hinweisen. Die an der Aktion beteiligten Organisationen fordern in erster Linie eine bessere Transparenz und einen Schutz vor einem trügerischen Design. Zugleich wird wie in Spanien ein besonderer Schutz für Minderjährige gefordert.

Der Beitrag wurde am 18.7.2022 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern veröffentlicht.

Author: Joshua Morales