Online-Casinos erhalten in Irland Lizenz

Eine irische Stadt mit den typischen Pub´s.

In Irland liegt eine ähnliche Situation vor, die es bis zum letzten Jahr im Juli in Deutschland gab: Zahlreiche Online-Casinos drängen auf den Markt und bieten ihre Spiele an. Doch anders als in Deutschland werden in Irland an die Betreiber der Online-Casinos Lizenzen vergeben. Für dieses Verhalten gibt es starke Kritik von mehreren Seiten.

Eine irische Stadt mit den typischen Pub´s.

Irlands Regierung hat zahlreichen Online-Casinos eine Lizenz erteilt. Hiergegen kommt starke Kritik auf, unter anderem von der Spielerschutz Organisation Extern Problem Gambling. (©Skitterphoto/Pixabay)

Die aktuelle Gesetzeslage in Irland

In den letzten Jahren gab es in Europa einen starken Wandel bezüglich der Glücksspielgesetze. Viele Länder haben zum ersten Mal Glücksspiele legalisiert und über ein Gesetz reguliert. Irland zählt zu den Ländern, die in den letzten Jahren ihre Gesetze modifiziert haben. Deshalb bestehen zwei verschiedene Gesetze: Ein Gesetz aus dem Jahr 2015 betrifft nur Sportwetten, während sich das Gesetz aus 2019 nur auf Glücksspiele und Lotterien bezieht. Beide Gesetze wurden aber nur für Glücksspiele vor Ort kreiert – für Online-Angebote gilt keines der beiden Gesetze.
Buchmacher müssen zudem eine Wettsteuer von zwei Prozent zahlen. Auch diese wird nur fällig, wenn ein Buchmacher eine Filiale vor Ort betreibt. Trotzdem gibt es in Irland – wie in allen Ländern – zahlreiche Online-Casinos und Online-Buchmacher. Beide Angebote sind streng genommen illegal, da kein irisches Gesetz Online-Angebote reguliert. In letzter Zeit geschah es jedoch, dass auch Online-Casinos eine Lizenz erhielten. Aus diesem Grund hat sich die Parlamentsabgeordnete Verona Murphy an die Justizministerin und an den Finanzminister gewandt.

Finanzamt sei für Ausstellung einer Fernbuchmacherlizenz verpflichtet

Medienberichten zufolge hat sich Finanzminister Paschal Donohoe zu den Anfragen von Verona Murphy wie folgt geäußert: In Irland muss der Justizminister einen Betreiber von Sportwetten eine Bescheinigung für deren Eignung ausstellen. Sobald diese Bescheinigung ausgestellt wurde, wäre das Finanzamt verpflichtet, eine Lizenz auszustellen. Deshalb wäre es in letzter Zeit öfter passiert, dass ein Online-Buchmacher eine Lizenz erhielt. Es wurde jedoch aufgedeckt, dass die so lizenzierten Buchmacher keinesfalls nur Sportwetten anbieten. Diese Anbieter präsentieren zugleich Casinospiele und vor allem Slots.
Ferner gibt es einige lizenzierte Buchmacher, die gar keine Sportwetten anbieten. Stattdessen handelt es sich eindeutig nur um ein Online-Casino, das die typischen Spiele wie Slots, Roulette und Kartenspiele anbietet. Ein paar Beispiele hierfür wurden ebenfalls veröffentlicht: Jackpot.com, Evoke Gaming Ltd., Lottoland, Casumo und Lottogo.com erhielten zwar von Irland eine Lizenz, bieten aber nur Casinospiele, Slots und teilweise Lotterien an. Dass diese Unternehmen eine Lizenz erhielten, wird von mehreren Seiten stark kritisiert.

Regierung verspricht Glücksspielbehörde

Murphy und weitere Organisationen bemängeln nicht nur, dass eine Lizenz ausgestellt wurde. Es wird zugleich bemängelt, dass es für Online-Casinos keine Gesetze gibt. Würde es Gesetze geben, würde ein sichereres Spielen vorliegen. Solange Glücksspielbetreiber keine Regeln einhalten müssen, ist eine Spielersicherheit nicht gewährleistet. Allerdings läge auch mit einem Gesetz ein Problem vor: Es gibt in Irland keine Glücksspielaufsichtsbehörde. Somit gibt es keine staatliche Stelle, die Online-Casinos auf die Einhaltung der Gesetze überprüfen würde. Deshalb hat der aktuell amtierende Finanzminister versprochen, dass sowohl eine Glücksspielbehörde ins Leben gerufen wird als auch neue Gesetze.
Die irische Regierungsbehörde Revenue gab zu verstehen, dass alle Lizenzen in Übereinstimmung mit den Gesetzen vergeben werden. Die Aufgabengebiete der Revenue liegen beim Zoll, Verbrauchssteuern, Steuern und allen damit zusammenhängenden Angelegenheiten. Barry Grant, ein Mitarbeiter von Extern Problem Gambling, sieht es etwas anders und wies ebenfalls über Medien darauf hin, dass die Regierung keinen Grund hat, Lizenzen an die Anbieter zu vergeben, die gar keine Sportwetten annehmen. Seiner Meinung nach gäbe es eine „ganz düstere Welt von Online-Casinos und Sportwetten. Sie sind einfach einzurichten und arbeiten völlig unreguliert“.
Deshalb fordert auch er die irische Regierung auf, die Gesetze zu ändern. Ein Grund liegt selbstverständlich in der Einhaltung der Spielersicherheit und auf der anderen Seite in den Steuern. Alle Online-Casinos, die ihr Sortiment ohne Rechtsgrundlage anbieten, würden keine Steuern zahlen. Grant zufolge handelt es sich hierbei um eine „Multimillionen-Euro-Industrie“ und bezeichnet die Online-Casinos und Wett-Apps als Wilden Westen des Glücksspiels.

Bisherige Versprechen der Regierung

Obwohl die aktuelle Regierung versprochen hat, dass es sowohl ein neues Gesetz für Online-Glücksspiele geben wird als auch eine eigene Glücksspielaufsichtsbehörde, hat sich hier noch nichts getan. Nachdem solch ein Versprechen bereits von vorherigen Regierungen ausgesprochen wurde, möchte sich weder die Spielerschutzorganisation Extern Problem Gambling noch Murphy sofort darauf verlassen. Beide warten erst einmal ab, ob es wirklich so weit kommt. Ein Gesetz für Online-Glücksspiele ist auch deshalb notwendig, da sich das aktuelle Gesetz immer noch auf das ursprüngliche Gesetz aus dem Jahr 1956 bezieht. Damals konnte noch niemand absehen, dass es Online-Glücksspiele geben wird.
Viel wichtiger ist es jedoch, dass über ein neues Gesetz alle Spieler geschützt werden. Derzeit ist es allen irischen Spielern möglich, auch bei illegalen Online-Casinos zu spielen. Die Spieler wüssten teilweise gar nicht, wann es sich um ein seriöses Angebot handelt und wann nicht. Deshalb fordert Grant zugleich, dass über Geoblocking verhindert wird, dass irische Spieler auf illegale Seiten zugreifen können. Mit Geoblocking könne man zumindest verhindern, dass ausländische Online-Casinos aufrufbar sind. Damit könnte bis zur Neuregulierung per Gesetz die Glücksspielfans in Irland geschützt werden.

Extern: Wohltätigkeitsorganisation für soziale Gerechtigkeit

Die Organisation Extern kümmert sich nicht nur um den Spielerschutz, der inzwischen auch in den Schulen vorgetragen wird. Bei dieser Organisation handelt es sich um eine Wohltätigkeitsorganisation, die insgesamt 80 Einzelprojekte betreut. Hierzu arbeitet die Organisation von 40 Standorten aus. Hierbei gibt es Projekte, die Betroffene selbst in Anspruch nehmen dürfen, während andere Projekte von Dritten aus gehen. Pro Jahr kümmert sich die Organisation um mehr als 25.000 Personen, zu denen Kinder, Jugendliche, Erwachsene und auch Familien zählen.
Einen großen Teil der Tätigkeit nimmt jedoch die Spielsucht und deren Prävention ein. Immerhin soll es einer neuen Studie zufolge in Irland mehr als 135.000 Personen geben, die von einer Spielsucht betroffen sind. Einen Großteil dieser Gruppe stellen Männer dar, die somit stärker von einer Spielsucht betroffen sind als Frauen. Um auch diese zu schützen, wird ein neues Gesetz gefordert.

Der Beitrag wurde am 19.8.2022 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern veröffentlicht.

Author: Joshua Morales